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04. Jun. 2019

Geschmacksveränderungen durch Chemotherapie

Das Thema des 36. Ernährungskongresses der Diätologen war dieses Mal das breite Feld der Onkologie und der Einfluss der Ernährung in diesem Bereich. Der Süßstoffverband hat auch diesmal wieder die Gelegenheit genützt, am Kongress teilzunehmen, sich mit den TeinehmerInnen auszutauschen und beim einen oder anderen Vortrag beizuwohnen.

Krebsbehandlung führt zu Geschmacksänderungen

Ein Vortrag, welcher einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat, handelte von den Geschmacksveränderungen, die bei KrebspatientInnen durch eine Chemotherapie auftreten können. Der Vortragende August Zabernigg von der onkologischen Abteilung des Krankenhauses Kufstein führte zu diesem Thema eine Erhebung bei Krebspatienten durch und sprach am Kongress über die Ergebnisse und über seine persönlichen Erfahrungen.
Eine Veränderung des Geschmacks- bzw. Geruchssinns im Rahmen einer onkologischen Behandlung, meist im Rahmen einer notwendigen Chemotherapie, kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Häufig kommt es vor, dass die Sensibilität des Geschmackssinns herabgesetzt ist – die PatientInnen können diesen verminderten Geschmacksinn durch stärkeres Würzen ausgleichen und können mit der Einschränkung so in vielen Fällen besser umgehen als mit einem kompletten Ausfall des Geschmacksinns – aber auch das kann eine mögliche Folge einer Chemotherapie sein.

Schmecken können bedeutet Lebensqualität

Wenn es um die Nebenwirkungen einer onkologischen Behandlung geht, stehen typischerweise Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und körperliche Schwäche im Vordergrund. „Andere Beschwerden, wie eine Veränderung, eine Abnahme, oder der Verlust des Geschmackssinnes werden in ihrer Häufigkeit, ihrer Ausprägung und den Folgen auf Essgewohnheiten, Nahrungsaufnahme und Lebensqualität oft deutlich unterschätzt.“, so Zabernigg.
Kommen im Rahmen von Chemotherapien Tyrosinkinasehemmer zum Einsatz, führt dies zu einer veränderten Geschmackswahrnehmung im Gehirn, welche sich als eine verminderte Sensibilität auswirkt. Da Tyrosinkinasehemmer täglich eingenommen werden, bleibt auch die Geschmackseinbuße permanent bestehen, solange die Medikamente eingenommen werden.
Bei den typischen Chemotherapien kommt es vor allem während der Therapie selbst zu einer Geschmacksveränderung – das heißt, die Geschmacksveränderung ist undulierend (das heißt, die Einschränkungen kommen und gehen in Wellen) für die Dauer der Therapie. Nach der Therapie ist das Geschmacksempfinden in der Regel wieder normal.
Geschmacks- und Geruchsstörungen während der Chemotherapie sind von großer Bedeutung, da ein befriedigendes Geschmackserlebnis einen wichtigen Teil zur Lebensqualität der PatientInnen, sowie auch von gesunden Menschen beiträgt. Weil sie keine Freude am Essen mehr verspüren, ist das Risiko, dass Krebspatienten ihre Therapie abbrechen, höher und für einige führt dieser Umstand sogar dazu, dass sie das Leben an sich nicht mehr als lebenswert empfinden. Darüber hinaus ist die adäquate Nahrungsaufnahme gerade in diesen für den Körper strapaziösen Zeiten sehr wichtig.

Kälte schützt Mundschleimhaut

Zabernigg sprach auch über Maßnahmen zum Umgang mit der Thematik. So ist es zum Beispiel gängige Praxis, dass einige Minuten vor einer Chemotherapie, währenddessen und noch einige Minuten danach, die Mundschleimhaut durchgehend gekühlt wird – die Patienten essen zu diesem Zweck Speiseeis oder gefrorene Säfte bzw. Smoothies. Dadurch werden die Zellen der Mundschleimhaut vor größeren Schäden geschützt. Nun ist das ausdauernde Eis essen aber nicht unbedingt ein Vergnügen für die Betroffenen, wie man leicht vermuten könnte, sondern im Gegenteil teilweise sehr belastend – auf die altbekannten Eislutscher haben die PatientInnen mit der Zeit immer wenig Lust. Tiefgekühlte Smoothies stellen hingegen eine willkommene Abwechslung dar, wie Zabernigg erklärt.

Es gibt auch Medikamente bzw. Nahrungsergänzungsmittel mit Zink oder THC, welche Wirkung gezeigt haben.

Individuelle Ernährungsberatung wichtig bei Geschmacksveränderungen

Speziell betont wird die individuelle Ernährungsberatung. Die Geschmacksveränderungen können von unterschiedlicher Art und Ausprägung sein und die Patienten fühlen sich in unterschiedlichem Maße davon beeinträchtigt. Auf all dies kann in einer individuellen Beratung eingegangen werden.

Dass der Geschmack und das Erleben von Genuss so eng mit dem Therapieerfolg und der Lebensqualität insgesamt verknüpft ist, ist für mich einmal mehr eine Bestätigung, dass es sich lohnt, an Alternativen und Erweiterungen der Möglichkeiten des Genusses zu arbeiten. Diesem schönen Ziel hat sich der Süßstoffverband ebenfalls verpflichtet als umfassende Informationsstelle über den Einsatz von Süßstoffen in der Ernährung.

 

Bildnachweis: Corina Scherrer

Corina ScherrerÖffentlichkeitsarbeit Österreich

Süßstoff Verband e.V.
Währinger Str 2-4, 1090 Wien
+43 (0) 664 515 30 40
[email protected]

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