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30. Okt. 2020

Süßstoffgesüßte Getränke sind kein Risiko für Herzinfarkt

In einem kürzlich veröffentlichten „Letter“, das heißt einer Veröffentlichung, die deutlich kürzer als ein klassischer Forschungsartikel ist, wird von Chazelas et al. behauptet, dass süßstoffgesüßte Getränke das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung erhöhen. Süßstoffgesüßte Softdrinks werden dabei mit zuckergesüßten gleichgesetzt. Belege für diese Behauptung bleiben die Autoren des Beitrags allerdings schuldig. Andere umfangreiche Studien konnten im Gegenteil dazu belegen, dass es keinen plausiblen Mechanismus gibt, wie Süßstoffe beim Menschen Herzerkrankungen verursachen könnten (1).

Süßstoffe gelten weiterhin als absolut sicher

Darüber hinaus ist die Sicherheit aller zugelassenen Süßstoffe wiederholt und übereinstimmend von Zulassungsbehörden in aller Welt bestätigt worden, darunter die Joint Food and Agriculture Organization (FAO)/ Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Expert Committee on Food Additives (JECFA), die US Food and Drug Administration (FDA) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Fehleranfälliges Studiendesign: Light-Getränke verursachen keinen Herzinfarkt

Die Veröffentlichung von Chazelas et al. (2) erörtert kurz die Ergebnisse einer Analyse von Daten der NutriNet-Santé Cohort, einer Beobachtungsstudie mit den bekannten Limitationen dieses Studiendesigns: Ein beobachteter Zusammenhang bedeutet nicht, dass es sich um einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang handelt (3). Vielmehr kann der berichtete Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Lightgetränken und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen eine umgekehrte Kausalität sein. Mit anderen Worten: Nicht die Lightgetränke haben kardiovaskuläre Erkrankungen ausgelöst, sondern Personen mit kardiovaskulärer Erkrankung haben ihre Ernährung auf Zuckeralternativen umgestellt, um ihre Kalorienaufnahme zu reduzieren. Wie die Autoren selbst anmerken, lassen sich bei Beobachtungsstudien niemals alle verfälschenden Faktoren ausschließen, die das Ergebnis der Studie beeinflussen können.

Weiterhin enthält die Veröffentlichung nur begrenzte Informationen zur tatsächlichen Datenauswertung, daher werfen die Schlussfolgerungen der Autoren vor dem Hintergrund der präsentierten Ergebnisse Fragen auf: Die behaupteten Auswirkungen des Konsums süßstoffgesüßter Getränke basieren auf weniger als 155 Fällen von Herzerkrankungen in einer Gruppe von 14.875 Lightgetränke-Konsumenten unter insgesamt 104.760 Teilnehmern an der Studie.

Herzinfarkt vorbeugen: Süßstoffe können bei Gewichtsreduktion unterstützen

Ein wichtiger Faktor zur Reduktion eines Herzinfarktrisikos ist die Normalisierung des Körpergewichts. Süßstoffe zeichnen sich dadurch aus, dass sie Süße, aber keine Energie liefern. Studien, wie die von Peters et al. (4) konnten zeigen, dass Probanden, die statt gezuckerter Softdrinks Light-Getränke konsumierten, ihr Körpergewicht sogar besser reduzieren, als diejenigen, die Wasser trinken mussten – wahrscheinlich weil sie durch den Süßgeschmack und den damit verbundenen Genuss eher auf kalorienreiche Getränke und Snacks verzichten konnten.

Referenzen

(1) Pyrogianni V, La Vecchia C. Letter by Pyrogianni and La Vecchia Regarding Article, „Artificially Sweetened Beverages and Stroke, Coronary Heart Disease, and All-Cause Mortality in the Women’s Health Initiative“. Stroke; 2019 Jun;50(6):e169. doi: 10.1161/STROKEAHA.119.025555

(2) Chazelas et al. Sugary Drinks, Artificially-Sweetened Beverages, and Cardiovascular Disease in the NutriNet-Santé Cohort. J Am Coll Cardiol 2020; 76(18):2175-6.

(3) Sievenpiper JL, Khan TA, Ha V, Viguiliouk E, Auyeung R. The importance of study design in the assessment of non-nutritive sweeteners and cardiometabolic health. A letter in response to Azad et al study in CMAJ. CMAJ November 20, 2017 189 (46) E1424-E1425

(4) Peters JC, Beck J, Cardel M, et al. The effects of water and non-nutritive sweetened beverages on weight loss and weight maintenance: a randomized clinical trial. Obesity (Silver Spring) 2016; 24: 297-304

Diplom Oecotrophologin Anja Krumbe

Anja RothÖffentlichkeitsarbeit Deutschland

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