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Gewichtsreduktion
18. Jun. 2020

Studie zeigt: Süßstoffe können zur Gewichtsreduktion beitragen

Die Einnahme von Süßstoffen allein macht nicht schlank. Sie müssen in ein langfristiges Ernährungskonzept integriert werden und sollten nicht nur eine Alibifunktion einnehmen. Aktuelle Studien widerlegen außerdem die Meinung einiger Ernährungswissenschaftler, dass sich die Einnahme von Süßstoff statt Zucker negativ auf das Ernährungsverhalten auswirkt, da sie keine Energie liefern und somit kein Sättigungsgefühl auslösen.

Anhaltende Debatte: Süßstoffe und Gewichtsreduktion

Süßstoffe zeichnen sich dadurch aus, dass sie Süße, aber keine Energie liefern. Trotzdem gibt es anhaltende Debatten darüber, ob sie bei einer Gewichtsreduktion hilfreich sein können.

Sicher ist: Süßstoffe docken an der Zunge an Geschmacksrezeptoren an und vermitteln darüber einen süßen Geschmack. Auf Blutzucker- und Insulinausschüttung haben sie keinen Einfluss und weil sie keine Energie liefern, können sie auch keine Sättigungssignale ans Gehirn liefern. Genau hier setzten die Kritiker an und behaupten, dass dadurch Heißhunger ausgelöst werde und es dadurch eher zu Gewichtszunahmen, als Gewichtsabnahmen käme.

Aber entsprechen Tierfütterungsstudien, oder auch Versuche, bei denen Süßstoffe per Magensonde verabreicht werden und lediglich ein subjektives Sättigungsgefühl erfragt wird, als Beweisgrundlage für diese Behauptung aus? Oder Beobachtungsstudien, bei denen allenfalls eine Korrelation und keine Kausalität festgestellt wird? So ist es nicht verwunderlich, dass Beobachtungsstudien ergeben, dass übergewichtige oder adipöse Menschen und Personen mit Diabetes oder kardiometabolischen Gesundheitsproblemen, die häufig mit Übergewicht einher gehen, häufiger Süßstoffe verwenden. Dies geschieht jedoch möglicherweise als Versuch und als eine Strategie, ihre Kalorienzufuhr und ihren Zuckerkonsum zu senken, was bei diesen Gesundheitszuständen eine gängige Ernährungsempfehlung ist.

Gewichtsreduktion: Studien belegen den Nutzen von Süßstoffen

Um einen Kausalzusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und Übergewicht nachzuweisen, ist eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) erforderlich. Das ist das einzige Studiendesign für Humanstudien, mit dem Ursache und Wirkung aufgezeigt werden können. Noch besser, wenn RCT’s systematisch überprüft werden.

So wie in der wissenschaftlichen Arbeit von Laviada-Molina et al (1). Hier wurde eine systematische Überprüfung und Metaanalyse von 20 (2.914 Teilnehmer) randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) mit nicht kalorischen Süßungsmitteln (Süßstoffen) durchgeführt, um deren Auswirkungen auf das Körpergewicht zu bewerten. Es zeigte sich, dass es keine Vorteile bei der Gewichtsabnahme gab, wenn man die Süßstoff-Nutzer mit der Kontrollgruppe oder der Wassergruppe verglich. Beim Vergleich mit der Saccharose (Zucker) – Gruppe wurden hingegen signifikante Vorteile bei Gewicht und Body-Mass-Index bei den Süßstoff-Nutzern festgestellt. Die Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass besonders Personen mit Übergewicht bzw. Adipositas profitieren, wenn sie Süßstoffe an Stelle von Zucker konsumieren – vor allem, wenn sie keine Diät hielten, sondern sich ohne Einschränkungen ernährten.

Andere Studien, wie die von Peters et al (2) zeigen darüber hinaus, dass Probanden, die statt gezuckerter Softdrinks Light-Getränke konsumierten, ihr Körpergewicht sogar besser reduzieren, als diejenigen, die Wasser trinken mussten – wahrscheinlich weil sie durch den Süßgeschmack und den damit verbundenen Genuss eher auf kalorienreiche Getränke und Snacks verzichten konnten.

Extrakalorien: Verzehr zuckerhaltiger Getränke während einer Mahlzeit erhöht zugeführte gesamte Kalorienmenge

Aber Süßstoffe alleine können sicher nicht schlank machen. Süßstoffe sind nur ein Teil des Ganzen und müssen insgesamt in ein ausgewogenes Ernährungsmuster integriert werden. So zeigte eine randomisierte Crossover-Studie (3) an 30 gesunden Männern, dass nach dem Konsum von einem süßstoffgesüßten Getränk, anschließend mehr beim Mittagessen verzehrt wurde und damit die Kalorieneinsparung wieder kompensiert – aber immerhin nicht addiert wurde.

Den Vorteil von kalorienfreien Getränken zeigten Rolls et al bereits 2005 (4), An der Untersuchung nahmen 44 junge Frauen teil. Über einen Zeitraum von 6 Wochen bekamen die Studienteilnehmerinnen sechsmal ein Testessen. Gegessen werden durfte nach Belieben. Zusätzlich zur Mahlzeit mussten die Probandinnen eins von fünf Getränken (darunter auch süßstoffgesüßte Softdrinks) verzehren. Sowohl bei kalorienfreien, wie auch kalorienhaltigen Getränken, wurde von den Probanden gleich viel verzehrt. Die Energieaufnahme durch die kalorienhaltigen Getränke wurde demnach nicht bei der Mahlzeit kompensiert, sondern addiert.

Gewichtsmanagement: Mehr als eine Maßnahme notwendig

Wer sein Körpergewicht in den Griff bekommen möchte, für den sind Lebensstiländerungen, wie ausreichende Bewegung und eine insgesamt bedarfsangepasste Ernährung unabdingbar. Ein Baustein ist dabei das Süßen mit Süßstoffen, um auch ohne Kalorien auf den süßen Geschmack zu kommen. Süßstoffe dürfen dabei aber keine Alibifunktion einnehmen, nach dem Motto: „ich ersetze Zucker im Kaffee durch Süßstoff und gönne mir dafür ein Stück Sahnetorte“, sondern sie müssen insgesamt in ein ausgewogenes Ernährungsmuster integriert werden.

Dass das möglich ist, zeigen Studien (5) (6), in denen man Light-Trinker, mit Verbrauchern, die keine Süßgetränke konsumieren, verglich. Bei beiden Gruppen zeigte sich ein höherer Fisch-, Obst- und Gemüseverzehr gleichzeitig lag der Fleisch- und Zuckerkonsum niedriger, als in der Gruppe der Zuckergetränke-Konsumenten. Bei der Energieaufnahme zeigte sich ein ähnliches Bild. Auch hier lagen die Light-Trinker mit einer Gesamtenergieaufnahme von 1719 kcal/Tag fast identisch mit der der Nichtkonsumenten. Die Energieaufnahme der Zuckergetränkegruppe (1958 kcal / Tag) und die der Verbraucher von beiden Arten von Getränken (1986 kcal / Tag) lag hingegen deutlich höher.

 

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Weiterführende Literatur:

Hugo Laviada-Molina, Fernanda Molina-Segui, Giordano Pérez-Gaxiola, Carlos Cuello-García, Ruy Arjona-Villicaña, Alan Espinosa-Marrón, Raigam Jafet Martinez-Portilla. Effects of Nonnutritive Sweeteners on Body Weight and BMI in Diverse Clinical Contexts: Systematic Review and Meta-Analysis. Obes Rev. 2020 Jul;21(7):e13020.doi: 10.1111/obr.13020. Epub 2020 Mar 25.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/obr.13020

 

Peters JC, Beck J, Cardel M, et al. The effects of water and non-nutritive sweetened beverages on weight loss and weight maintenance: a randomized clinical trial. Obesity (Silver Spring) 2016; 24: 297-304

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26708700/

 

S L Tey, N B Salleh, J Henry, C G Forde, Effects of aspartame-, monk fruit-, Stevia-, and sucrose-sweetened beverages on postprandial glucose, insulin and energy intake, International Journal of Obesity 41, 450-457

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27956737/

 

M. DellaValle, L.S.Roe, B.J.Rolls, Does the consumption of caloric and non-caloric beverages with a meal affect energy intake?, Appetite 44 (2005) 187-193

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0195666305000024

 

Adam Drewnowski and Colin D. Rehm ,Consumption of Low-Calorie Sweeteners among U.S. Adults Is Associated with Higher Healthy Eating Index (HEI 2005) Scores and More Physical ActivityNutrients 2014, 6(10), 4389-4403; doi:10.3390/nu6104389

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25329967/

 

Sigrid A. Gibson, Graham W. Horgan, Lucy E. Francis, Amelia A. Gibson and Alison M. Stephen Low Calorie Beverage Consumption Is Associated with Energy and Nutrient Intakes and Diet Quality in British Adults, Nutrients2016, 8(1), 9; doi:10.3390/nu8010009

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4728623/

 

 

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Diplom Oecotrophologin Anja Krumbe

Anja RothÖffentlichkeitsarbeit Deutschland

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